Die Kellergasse von Niederschleinz, nördlich des Ortes auf dem sanften Hügelrücken der Ried Hinterdorfer gelegen, bietet ein beeindruckendes Panorama. Mit über 50 gassenartig angeordneten Presshäusern und Vorkappln bildet sie ein reizvolles Ensemble, das weit über die Grenzen des Ortes hinaus sichtbar ist. Als längste Kellergasse im Schmidatal stellt sie ein bedeutendes Wahrzeichen der Region dar. Beim Vorbeischlendern lässt sich nur erahnen, welch wichtige Aufgabe die Keller früher innehatten.
Architektur
Viele der liebevoll erhaltenen Presshäuser und Weinkeller stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurden einst von Generationen von Winzern mit der Hand in den Löss gegraben. Einige sind inschriftlich datiert: Die ältesten stammen demnach aus den Jahren 1783, 1789, 1792 und 1804. Im franziszäischen Kataster des Jahres 1823 sind bereits 52 Presshäuser verzeichnet.
Aus dem späten 18. Jahrhundert stammt ein mächtiges, hellblau gefärbeltes Presshaus an der Nordseite der Kellergasse. Die Sandsteingewände der Trockenbodenfenster zeigen den für die Zeit Josef II. typischen Zopfdekor. Es dürfte sich bei dieser Anlage wohl um den ehemaligen Herrschaftskeller handeln.
Zahlreiche spätbiedermeierlich/neobarock fassadierte Presshäuser – zumeist mit Trocken- bzw. Speicherboden – dokumentieren das neue Selbstbewusstsein der seit kurzem freien Bauern. Die reizvollen, zum Teil gebänderten Putzfassaden mit Pilastergliederung und profilierten Gesimsen wurden in den letzten Jahren zumeist liebevoll renoviert. Aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen auch noch zahlreiche Balkenpressen wie etwa jene der Familie Eder, die im Jahr 1877 gefertigt wurde: Wie der Inschrift am Pressbalken zu entnehmen ist, befand sich der Keller früher im Besitz der Familie Klausgraber. Die Inschrift lautet: "IHS. ERBAUT. ANNO. MDCCCLXXVII. GOTT. SEGNE. DIE. EIGENDIMER. JOHANN. U. ANNA. KLAUSGRABER. JOSEF. ZWETTLER. ZIMMERMEISTER. IN. R. V. B."
Interessant für die Geschichte des Weinbaus in Niederschleinz ist der 1994 wieder ausgegrabene und renovierte Hiatakeller. Der um 1880 errichtete Bau diente bis 1947 als Aufenthalts- und Schlafraum des Hiatas, der im Zeitraum vom 15. August bis zum 15. Oktober darauf zu achten hatte, dass keine Trauben aus den Weingärten gestohlen wurden.
Der unverwechselbare Charme der Weinviertler Kellergassen lässt sich am eindrucksvollsten bei einer geführten Tour erleben.
Dabei eröffnen sich faszinierende Einblicke in ihre Geschichte und die einstige Bedeutung dieser besonderen Orte.
Informationen zu Kellergassenführungen im Weinviertel findet man hier:
www.weinviertel.at/kellergassenfuehrungen