Pfarrkirche Haugsdorf St. Peter und Paul
48,6 Meter ragt der Kirchturm von Haugsdorf in den Weinviertler Himmel — kein anderer Kirchturm im Pulkautal kommt ihm gleich. Das Turmkreuz allein misst 4,20 Meter und wiegt 500 Kilogramm. Wer also von weitem auf Haugsdorf zufährt, sieht die Kirche zuerst. Das war nicht immer so:
Ursprünglich stand hier vermutlich eine schlichte romanische Saalkirche mit einem kleinen Dachreiter und einem einzigen Glöcklein. Im 15. Jahrhundert wuchs die Kirche zur dreischiffigen Hallenkirche im Stil der Gotik, mit einem Netzrippengewölbe, das bis heute erhalten ist. 1697 erhielt der Turm drei weitere Etagen und einen Turmhelm in doppelter Zwiebelform — Haugsdorf hatte seinen Blickfang.
Dann kam der Brand von 1822. Das Gewölbe stürzte ein, der prachtvolle Turmhelm musste einem schlichten Ziegeldach weichen. Erst 1894 bekam der Turm seinen heutigen Spitzhelm zurück — und neue Glocken dazu.
Was es im Inneren zu entdecken gibt
1778 erhielt die Kirche ihr erstes Altarbild — ein Werk von Martin Johann Schmidt, besser bekannt als „Kremser Schmidt", mit den Kirchenpatronen Petrus und Paulus als Motiv. Es hing jedoch nur knapp zwei Jahrzehnte: 1796 ersetzte es sein Schüler Martin Grassinger durch das heutige Bild „Petrus und Paulus beim Abschied vor dem Martyrium".
Lohnt den genauen Blick: Die 1995 erbaute Brüstungsorgel stammt von Orgelbauer Walter Vonbank — sie ist sein Opus 2. Unterhalb des Altarraumes liegt eine Gruft, Begräbnisstätte der adeligen Familien der Herrschaft Haugsdorf. Bis 1787 erstreckte sich der Friedhof noch rund um die Kirche.
Pfarrhof Haugsdorf
Der stattliche Pfarrhof in der Ortsmitte hat eine bewegte Geschichte hinter sich — und einen kleinen literarischen Ruhm dazu: Er ist Drehort Nr. 4 aus Alfred Komareks Roman „Himmel und Hölle". In seinem Garten spielt eine der unvergesslichsten Szenen des Buches: Die lustige Pfarrersköchin leert einem Gast aus Wien kurzerhand die gefüllte Suppenterrine über den Kopf.
Das Gebäude selbst ist ein Palimpsest aus Jahrhunderten. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges mühsam wieder aufgebaut, 1695 von Abt Gregor von Melk unter Einbeziehung älterer Teile neu errichtet, 1761 abermals abgebrannt — und doch immer wieder erneuert. Zum Pfarrhof gehörten nicht nur Wohnräume, sondern weitläufige Wirtschaftstrakte mit Scheunen und Stallungen, die den Unterhalt der Pfarre sicherten.
Ins Obergeschoss führt noch heute eine steinerne Spindeltreppe aus der Zeit um 1500 — ein Überbleibsel des Vorgängerbaus. Oben wartet ein Festsaal mit Decken- und Wandmalereien von 1815: Seenlandschaften, Vögel, Blumengirlanden. Im Keller trägt ein Tonnengewölbe auf vier quadratischen Pfeilern die Last der Jahrhunderte, wahrscheinlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert.