Manche Orte tragen ihre Geschichte im Namen. Karlsdorf zum Beispiel: Die Ortschaft verdankt ihre Existenz einem Fürsten, der schlicht keine Lust hatte, seine Arbeiter jeden Tag von weit her anreisen zu lassen. Karl von Auersperg, Besitzer der Herrschaftsmühle und weiter Ländereien ringsum, siedelte seine Leute kurzerhand vor Ort an — und nannte das neue Dorf nach sich selbst. Das war zwischen 1744 und 1794. Die Mühle zog mit, wechselte von Pfaffendorf nach Karlsdorf, und steht noch heute.
Wie weit ihre Geschichte tatsächlich zurückreicht, hat Oberlehrer Josef Pellar zwischen 1953 und 1966 akribisch erforscht: Er konnte die Besitzerliste der Herrschaftsmühle bis ins Jahr 1357 zurückverfolgen — eine lückenlose Chronik über mehr als sechs Jahrhunderte. Ursprünglich von adeligen Grundbesitzern errichtet, damit das eigene Getreide nicht erst zur nächsten Mühle gekarrt werden musste, wechselte das Haus im Laufe der Zeit viele Male die Hände.
1954 — ein neues Kapitel: Karl Engelhart kauft die Herrschaftsmühle. Fortan wird hier vor allem Roggen für Lohn vermahlen, anderes Getreide zu Tierfutter verschrotet. Aus der ganzen Region kommen Bauern, um diese Dienste zu nutzen, eine Bäckerei im Ort wird regelmäßig mit Roggenmehl beliefert.
Dann macht die staatliche Getreidepolitik dem kleinen Betrieb das Leben schwer: Die Stützung der Brotgetreidevermahlung macht es für eine Mühle dieser Größe schlicht unmöglich, preislich mitzuhalten. Die Engelharts reagieren pragmatisch — und verwandeln die Mühle in ein Lagerhaus für Getreide, Saatgut, Dünger, Baustoffe und Getränke. Der Schrotstein läuft aber trotzdem noch Jahre weiter – bis zur Pensionierung des letzten Müllers Walter Engelhart.
Dem schleichenden Verfall der alten Gemäuer setzte die Familie 2021 ein entschlossenes Zeichen entgegen: Drei Räume des ursprünglichen Mühlengebäudes werden renoviert und als Mühlenladen neu eröffnet. Was heute dort angeboten wird, wächst buchstäblich in der Umgebung: frisches Gemüse und Obst, verarbeitet zu Marmeladen, Kompotten und Säften. Die alte Herrschaftsmühle, einst Versorgungszentrum einer ganzen Region, versorgt wieder — nur etwas anders als früher.