Lange wurde im Gemeinderat debattiert. 1909 fiel schließlich der Beschluss: Haugsdorf bekommt eine neue Schule — und zwar eine, die ihrem Namen alle Ehre machen soll. Die Kaiser-Jubiläums-Volks- und Bürgerschule sollte nicht nur Unterrichtsräume bieten, sondern auch eine Direktorenwohnung und Raum für den Schuldiener. Ein vollständiger Betrieb unter einem Dach.
Ein stiller Geldgeber: Offiziell finanzierte die Gemeinde Haugsdorf den Bau, der heute die Haugsdorfer Mittelschule beherbergt. Aus Protokollen geht jedoch hervor, dass die Sparkasse nicht nur das halbe Grundstück zur Verfügung stellte, sondern auch zwei Fünftel der Baukosten übernahm — ohne dass das damals groß an die Glocke gehängt wurde.
Der erste Schultag im neuen Haus
Den Umzug hielt die Schulchronik in knappen, aber anschaulichen Worten fest:
„Am Osterdienstag wurden die Schüler von der alten Schule in die neuerbaute Kaiser-Jubiläums-Volks- und Bürgerschule geführt. Dortselbst wurde an diesem Tage mit dem Unterrichte begonnen."
Volksschulkinder aus Haugsdorf und Auggenthal füllten die neuen Räume. Die Bürgerschule — eine österreichische Besonderheit, die über das Lernziel der Volksschule hinausführte — zog Lernende aus einem weiteren Umkreis an: zu Fuß oder mit der Bahn kamen Schülerinnen und Schüler aus umliegenden Gemeinden. Knaben durften die Bürgerschule von Beginn an besuchen, Mädchen erst ein Jahr später. Zu den Ehemaligen zählt der Hadreser Mundartdichter Lois Schiferl, der in seinen autobiografischen Schriften immer wieder auf seine Schulzeit in Haugsdorf zurückblickt.
Turnhalle und ein Wahlspruch an der Fassade
Der neue Turnsaal war eine willkommene Neuerung: Erstmals war Turnunterricht auch in den kalten Jahreszeiten möglich. Zuvor hatte dafür nur das Gelände des Meierhofes zur Verfügung gestanden. Auch Turnvereine aus der Region durften die Halle nutzen.
Wer die Außenfassade genau betrachtet, entdeckt ein Wappen mit vier ineinander verschlungenen F in kreuzförmiger Anordnung. Sie stehen für den Wahlspruch des Turnpädagogen Friedrich Ludwig Jahn — „Turnvater Jahn" — und lauten: Frisch, fromm, fröhlich, frei. Ein Motto, das an dieser Stelle doppelt passt: als Zeichen der Turnbewegung und als stiller Kommentar auf eine Schule, die Bildung und Bewegung unter einem Dach vereinte.