1108 wird Haugsdorf erstmals in einer mittelalterlichen Urkunde erwähnt. Über Jahrhunderte wechselten Adelsfamilien und Landesfürsten einander als Inhaber der Herrschaft ab. Daneben existierte eine zweite Herrschaft — eine Wasserburg —, die nach dem Dreißigjährigen Krieg zur Ruine verfiel und heute nur noch in Fragmenten greifbar ist: Als man 1886 die alte Pferdeschwemme am Hauptplatz beseitigte, stieß man auf gewaltige Bausteine und Säulenstücke, die von ihr stammen dürften.
Ein Schloss, das keines sein wollte
Während des Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gelangte das Gut in den Besitz von Freiherrn Christoph Sigmund von Kirchberg, der den schlichten Meierhof zum Schloss umbaute. Ein Detail an der Fassade verrät die ursprüngliche Bestimmung noch heute: Die Zweipassfenster am Giebel des Osttrakts weisen auf einen ehemaligen Schüttkasten hin — einen Getreidespeicher, kein Repräsentationsraum.
Von 1810 bis 1819 beherbergte das Schloss die erste Apotheke Haugsdorfs. Danach zogen Gemeindekanzlei, Bezirksgericht, Steueramt und Notariat ein — Behörden, die erst mit der Eröffnung des Sparkassengebäudes 1886 bzw. 1963 ins neue Haus am Hauptplatz übersiedelten. Das Schloss war über Generationen das administrative Herz des Ortes. Ende der 50er Jahre gelangte das Gebäude in Privatbesitz und wurde als Schlosshotel mit Restaurant, Pub und Kaffeehaus genutzt. Aktuell ist im zugehörigen Schüttkasten ein Restaurant untergebracht.
Übrigens: Stipedien durch Stiftung: Die Freiherrn von Kirchberg, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1094 zurückverfolgen lässt, mit „Cadeloch von Kirchberg" als nachweisbarem Stammvater, bildete die „Herrschaft Haugsdorf“ mit einem einem großen Bestand an Wiesen, Weingärten und Ackerland. Nach dem Tod von Francisca Polixena von Kirchberg 1710 wurde der „Freiherr von Kirchberg'sche Stiftungsfonds" errichtet, dem auch die Herrschaft Haugsdorf angehörte. Als die Revolution von 1848 die Grundherrschaften abschaffte, wandelte sich die Freiherr von Kirchberg-Stiftung in eine karitative, zweckgebundene Institution, die Stipendien für sozial Bedürfte vergibt.