Die “Oagossn” in Falkenstein ist die „schönste erlebbare Kellergasse im Weinviertel 2026“, die Auszeichnung dafür wurde Ende April 2026 in feierlichem Rahmen vergeben. Die Prämierung knüpft an die frühere Auszeichnung der „Schönsten Kellergasse“ an, die zuletzt 2013 vergeben wurde, ausgezeichnet wird nun bewusst nicht nur die Schönheit einer Kellergasse, sondern das gesamte touristische Erlebnis. Bewertet wurden die eingereichten Kellergassen in den Kategorien Architektur, Wissensvermittlung sowie Information und touristische Angebote. Eine Fachjury prüfte die Einreichungen und begutachtete sie vor Ort. Mit der “Oagossn” Falkenstein fiel die Wahl auf eine Kellergasse, die ihre historische Identität mit hoher Aufenthaltsqualität und touristischer Angebotsvielfalt verbindet. Die Falkensteiner Kellergasse gilt als gut erhaltenes, belebtes Ensemble, ist eine der größten des Weinviertels und umfasst zwei gegenüberliegende Kellerzeilen mit insgesamt 65 Presshäusern. Offene Kellertüren, Heurigenbetriebe, Führungen und Veranstaltungen machen sie seit Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel.
Die landschaftlich reizvoll gelegene Falkensteiner Kellergasse zählt zu den bekanntesten des Weinviertels. Die beiden gegenüberliegenden Kellerzeilen umfassen insgesamt 65 Presshäuser mit anschließenden Erdkellern. Charakteristisch ist die weitgehend einheitliche Architektur der Presshäuser, deren Giebel überwiegend zur Gasse hin ausgerichtet sind. Dies kann als Hinweis auf eine vergleichsweise frühe Entstehungszeit interpretiert werden, die gemäß der Erfassung im Franziszeischen Kataster bereits vor 1820 anzusetzen ist. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden die Presshäuser wiederholt umgestaltet, dennoch ist der Großteil des geschlossenen Ensembles bis heute erhalten geblieben. Darüber hinaus existieren ältere Kelleranlagen, etwa der sogenannte Gmoakeller aus dem späten 17. Jahrhundert. Bei den Dachformen dominieren Satteldächer, vereinzelt tritt auch das Schopfwalmdach auf. Die Giebel sind teilweise mit Zahnschnittfriesen versehen. Die Presshäuser werden durch sogenannte Reichen oder Reicha voneinander getrennt. Dabei handelt es sich um schmale Durchgänge, die sowohl dem Abfluss von Regenwasser als auch dem Zugang zu den darüberliegenden Weingärten dienen. Im Rahmen der international ausgerichteten Kunstinitiative Mut zur Lücke wurden diese Reichen in Falkenstein als Standorte für Kunstobjekte genutzt.
Die Kellergasse diente nicht ausschließlich der Lagerung und Produktion von Wein, sondern war auch Schauplatz von Eiermärkten. Zudem war sie Teil eines historischen Handelsweges, woraus sich die Bezeichnung Oagossn, im Sinne von Eiergasse, ableitet. Das Kunstobjekt Ei fungiert als symbolischer Verweis auf diese historische Nutzung.
Ob auf dem Fahrrad entlang sanfter Hügel, in Wanderschuhen auf den Spuren jahrhundertealter Geschichte oder bei einem genussvollen Glas Wein in stimmungsvoller Atmosphäre: Die Falkensteiner Kellergasse entfaltet für jeden Geschmack ihren besonderen Reiz. Zwischen traditionsreichen Presshäusern, lebendiger Kultur und der Weite des Weinviertels entsteht ein Ort, der Bewegung, Entschleunigung und Genuss auf einzigartige Weise verbindet.