Jahrzehntelang hätte Jetzelsdorf eine neue Kirche haben können — und immer kam etwas dazwischen. Schon 1822 war ein Neubau neben dem neu angelegten Friedhof geplant, doch Unstimmigkeiten verhinderten die Ausführung. Erst als die alte Kirche im Ortszentrum in den 1970er-Jahren so renovierungsbedürftig wurde, dass ein Weiterbetrieb kaum mehr zu rechtfertigen war, fasste man endlich den Entschluss.
Architekt Hans Hoffmann entwarf einen Bau, der bewusst mit der Tradition bricht: ein quadratischer Zentralbau mit Pyramidendach, dessen offener Dachstuhl im Kircheninneren sichtbar bleibt — getragen von diagonalen Betonträgern. Über dem Eingang ersetzen turmähnliche Stahlbetonscheiben den klassischen Kirchturm; sie beherbergen auch die Glocken. Am 5. September 1976 wurde die Kirche durch Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym eingeweiht. Die Baukosten von vier Millionen Schilling teilten sich Pfarre, Erzdiözese Wien und das Stift Göttweig, dem die Pfarre seit ihrer Gründung 1784 inkorporiert ist.
Was aus der alten Kirche mitgekommen ist: Teile der Einrichtung stammen aus dem Vorgängerbau. Das barocke Hochaltarkreuz — in den 1930er-Jahren überarbeitet — ist ebenso erhalten wie eine Figur der Maria Immaculata aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ein josephinischer Baluster-Taufstein mit gewulsteter Schale. 1986 kam die von Friedrich Heftner gebaute Orgel hinzu.
Die Kirche ist dem Fest Mariä Himmelfahrt und dem heiligen Benedikt geweiht und liegt im Dekanat Retz-Pulkautal der Erzdiözese Wien.
Auch einen Besuch wert: die Weinkirche im Ortszentrum
Die alte Pfarrkirche von 1707, die durch diesen Neubau ihre Funktion verlor, wollte niemand abreißen – das Denkmalamt hätte dem auch nie zugestimmt. Und so rang sich die Jetzelsdorfer Bevölkerung, nach anfänglicher Uneinigkeit, zu einer ungewöhnlichen Lösung durch: Die alte Kirche wurde zur Weinkirche umgewidmet und 1976 als Dorf- und Veranstaltungszentrum eingeweiht.