Jubiläumskapelle Karlsdorf

Kleine gelbe Kapelle mit Holztür, umgeben von Bäumen und Grünflächen.
©Friederike Schnepf

Öffnungszeiten

jederzeit frei zugänglich

Wer hier an der Straßenkreuzung steht, dem fällt sie vielleicht erst auf den zweiten Blick auf: eine kompakte Ziegelkapelle, neubarock, mit geschwungenem Giebel und dem schlichten Schriftzug Jubiläumskapelle. Kein Prunkbau — und genau das macht sie sympathisch.

Errichtet hat sie 1909 ein gewisser Johann Kolarsch, Pflastermeister aus Wien, gemeinsam mit seiner Gattin Aloisia, geborene Rosner aus Ragelsdorf. Die beiden ließen das Kapellchen an der Straßengrenze gegen Pfaffendorf bauen — still, ohne großes Aufhebens, wie es Handwerker eben so tun. Dass er mitunter auch in Pfaffendorf Nr. 50 wohnhaft war, legt nahe: Das hier war kein fremdes Stück Land. Das war Heimat.

Was steckt hinter dem Namen?
Schon länger rätselt man, ob die Kapelle zum 60. Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs I. geweiht wurde. Charmante Idee — aber die Chronik macht einen Strich durch die Rechnung: Sie wurde 1909 erbaut, das Jubiläum fiel auf 1908. Ein Jahr zu spät für kaiserliche Ehren, ein Jahr zu früh für bloßen Zufall. Das Rätsel bleibt offen.

Wer einen Blick ins Innere wirft, findet schlichte Andacht: ein kleiner Altar mit Kerzen, ein Kruzifix, und an der Rückwand eine Maria mit dem Kind. Draußen schließt ein Blechdach das Ganze ab, bekrönt von einem schlichten Eisenkreuz. An den Seiten je ein Rundbogenfenster — gerade genug Licht für einen stillen Moment.

Solche Kapellen entstanden einst aus persönlicher Frömmigkeit, als Dank, als Bitte, als bleibendes Zeichen. Was Johann und Aloisia Kolarsch bewogen hat, wissen wir nicht. Die Kapelle steht — und das seit über einem Jahrhundert.

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