Wer vor der Büste von Franz von Zülow neben dem Haugsdorfer Gemeindeamt steht, blickt nicht nur in das Gesicht eines bedeutenden österreichischen Künstlers – sondern in die Geschichte eines Ortes, der sein Werk tief geprägt hat. Haugsdorf war für Zülow mehr als ein Wohnort: Es war Inspirationsquelle, Werkstätte und familiärer Mittelpunkt.
Eine Künstlerfamilie im Pulkautal
Die Familie von Zülow war eine außergewöhnlich kreative Adelsfamilie. Franz von Zülow (1883–1963) erlangte internationale Anerkennung als Maler, Grafiker und Kunsthandwerker. Franz lebte zwischen 1909 und 1915 in Haugsdorf. In dieser Zeit entstanden Werke, die heute zu den eigenständigsten Beiträgen der österreichischen Moderne zählen. Auch seine Mutter Marie von Zülow, eine Weinhauerstochter aus Haugsdorf, sowie seine Schwester Mitzi waren künstlerisch tätig. Gemeinsam prägten sie das kulturelle Leben des Ortes – still, aber nachhaltig.
Die Büste von Franz von Zülow, geschaffen vom Bildhauer Robert Himmelbauer, macht sein Andenken im Ortszentrum sichtbar. Ergänzt wird sie durch zwei Mosaiktafeln, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Haugsdorf. Die Motive basieren auf Originalzeichnungen Zülows – ein lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Stil und Handschrift
Zülows frühe Arbeiten sind stark vom Jugendstil geprägt. Ab den 1920er-Jahren wandte er sich verstärkt der Ölmalerei zu. Seine Bilder zeigen ländliche Szenen mit kraftvollen Pinselstrichen und einer natürlichen, erdverbundenen Farbigkeit.
Das Gemälde „Motiv aus Haugsdorf“ (1937) ist ein eindrucksvolles Beispiel für diese enge Verbindung zwischen Künstler und Region.
Ein besonderer Schatz sind die sogenannten „Monatshefte“, die Franz von Zülow während seiner Zeit in Haugsdorf schuf. Zwischen 1909 und 1915 erschienen diese handkolorierten Leporellos im Eigenverlag, direkt im Ort. Jedes Leporello ist ein Unikat mit Motiven aus dem Pulkautal und dem dörflichen Alltag, mit über einem Meter Länge und einer von Zülow selbst entwickelten Papierschnittdruck-Technik. Heute befinden sich diese Werke in renommierten Sammlungen wie der Albertina oder dem Niederösterreichischen Landesmuseum – und haben doch ihren Ursprung genau hier.
Der Zülow-Weg – Kunst erwandern
Um diese Verbindung erlebbar zu machen, wurde 2007 der Zülow-Weg ins Leben gerufen. Der liebevoll gestaltete Themenweg führt durch Haugsdorf und verbindet wichtige Stationen aus Zülows Leben mit seinem Werk.
Der Verein „Zülow in Haugsdorf“ bietet regelmäßig geführte Kunstwanderungen an – mit Geschichten, Hintergründen und persönlichen Anekdoten.
Film & Infos: https://zuelow.mghaugsdorf.at