Die Scheune, in der das Bauernmuseum Kalladorf untergebracht ist, wurde um 1900 gebaut. Sie hat also selbst schon einiges erlebt: Dampfdreschmaschinen ratterten in ihr, 1945 fanden 20 Siebenbürger Flüchtlingsfamilien hier Unterkunft — und heute beherbergt sie auf rund 380 m² und drei Etagen eine der eindrucksvollsten Sammlungen zur Landwirtschaftsgeschichte der Region Hollabrunn.
Die Idee stammte von Leopold Stadler, einem Kalladorfer Großbauern, der 1979 den späteren Hollabrunner Bürgermeister Helmut Wunderl mit einer Vision überzeugte: ein Museum, das alte landwirtschaftliche Arbeitsvorgänge nicht in Vergessenheit geraten lässt — und gleichzeitig ein Ort der Begegnung zwischen Jung und Alt sein soll. Vereinsmitglieder investierten über 3.300 freiwillige Arbeitsstunden in das Zusammentragen und Restaurieren der Exponate. 1982 öffnete das Museum erstmals seine Türen.
Was es zu sehen gibt
Der Bogen der Sammlung spannt sich weit: von einfachen Bodenbearbeitungsgeräten über Erntemaschinen — von der Sichel bis zum Garbenbinder — zu Dreschmaschinen verschiedener Generationen und alten Pferdefuhrwerken. Besonders sehenswert sind ein Deering-Traktor Petroleum von 1928 und ein Steyr-Traktor Typ 180 aus dem Jahr 1949. Ein ganzer Bereich ist dem Weinbau gewidmet, ein weiterer zeigt eine original eingerichtete Greißlerei.
Das Herzstück: Die Ausstellung stellt bewusst gegenüber, was selten so klar zu sehen ist — die unterschiedliche Arbeitskraft von Mensch, Tier und Maschine. Wer einmal einen Garbenbinder neben einem frühen Traktor stehen sieht, versteht sofort, was der Wandel in der Landwirtschaft bedeutete.
Ergänzt wird die Dauerausstellung durch eine Dokumentation des Strukturwandels in der Landwirtschaft der Region Hollabrunn, erarbeitet in Zusammenarbeit mit dem Institut für Volkskunde. Schüler:innen der HTL und der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn waren maßgeblich am Aufbau beteiligt.