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Kellergasse im Frühling, © Weinviertel Tourismus / Wurnig

Jüdischer Friedhof Hollabrunn

Historische Stätte

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Beschreibung

Der Jüdische Friedhof Hollabrunn, gelegen in der Steinfeldgasse außerhalb der Stadt, ist ein bedeutendes historisches Denkmal. Das letzte Begräbnis fand 1978 statt und die 1909 erbaute Zeremonienhalle wurde 1999 abgerissen. Trotzdem bleibt der Friedhof ein Ort von großer historischer und kultureller Bedeutung. Patrizia Mantler-Stockinger, begeisterte Kulturvermittlerin, bietet regelmäßige Führungen am jüdischen Friedhof an. Dabei werden tiefe Einblicke in die Geschichte und die Bedeutung des Friedhofs vermittelt.

Jüdische Spuren in Hollabrunn

Insgesamt 214 Personen wurden hier zwischen 1881 und 1978 bestattet, 135 Grabsteine aus Granit, Marmor und Sandstein zeigen noch heute Grabstellen an. Die Inschriften der Gräber zeigen häufig oben ein Symbol gefolgt von „hier liegt begraben“ in hebräischer Schrift. Danach folgen Titulaturen (Würden, Ämter) und der Name, gefolgt vom Sterbedatum. Oft sieht man darunter noch ein Lob und eine Schlusseulogie.

Die meisten Grabsteine tragen Inschriften in hebräischer und deutscher Schrift, nur einige wenige alte Grabsteine zeigen ausschließlich hebräische Inschriften. Manche davon sind mittlerweile unleserlich geworden, ein Grabstein wurde von Efeu gänzlich verreinnahmt. Einige Steine sind umgefallen und wackelig. Daher ist besondere Vorsicht notwendig!

Viele Gräber sind nach Osten – nach Jerusalem – ausgerichtet: Die Toten wurden mit dem Kopf nach Osten begraben, weil die Auferstehung beim Kommen des Messias am Jüngsten Tag in Jerusalem beginnen wird. Die Grabsteine befinden sich bei den Füßen.

Für die Toten kommt keine Verlegung in Frage, eine Exhumierung ist nur bei der Überführung nach Israel möglich (siehe Theodor Herzl): Das Grab sind die letzten zwei Quadratmeter, die dem Verstorbenen ‚gehören‘ und die er bis zum Ende der Zeiten als Ruhestätte braucht. Einfassungsgitter werden verwendet, wenn man den Verstorbenen nicht mit den Füßen zum Stein begraben konnte. Familien sind oft im selben Friedhofsbereich zu finden. Jeder Verstorbene bzw. jede Verstorbene erhält ein eigenes Grab, Doppelgräber wurden oft bei Ehepaaren  angelegt. Es ist kein Grabschmuck wie auf christlichen Friedhöfen üblich, nichts Vergängliches wird hier verwendet. Zur Jahrzeit werden gerne Steine mitgebracht.

Zur Historie

Im Jahr 1876 kauften die beiden Händler Leopold Skutezky und Max Wallisch um 100 Gulden ein Grundstück in der Steinfeldgasse 360 zur Errichtung eines Friedhofes. 1909 wurde der Friedhof erweitert, die alte Zeremonienhalle abgerissen und eine neue Halle inklusive Wohnung für den Friedhofsgärtner errichtet. 1926 wurde der Friedhof nochmals erweitert und das Areal mit einer Mauer umgeben. Im Jahr 1938 wurde beim Novemberpogrom der Friedhof geschändet und Gedenktafeln und Grabsteine für im 1. Weltkrieg Gefallenen zerstört.

Vorsicht geboten

Vorsicht, wackelige Grabsteine! Betreten des Friedhofes auf eigene Gefahr!
Auf einem jüdischen Friedhof ist es auch für nicht-jüdische Männer Pflicht, eine Kopfbedeckung zu tragen. Der Friedhofsbesuch am Sabbat (Samstag) und an jüdischen Feiertagen ist nicht gestattet. Für die Friedhöfe im Eigentum der IKG Wien steht unter www.ikg-wien.at/friedhofsbesuch ein Merkblatt zum Download zur Verfügung.

Symbolik auf den Grabsteinen

Davidstern
Der Davidstern ist nationales, religiöses Symbol des Judentums. Die 6 Spitzen des Sterns stehen für die 6 Tage der Schöpfung.
In der Römerzeit war der Davidstern nur ein Schmuckmotiv, im 17. Jh. wurde er zum Wahrzeichen der jüdischen Gemeinde in Prag. Nationale Bedeutung erlangte er, als er 1897 für den ersten Zionistenkongress verwendet wurde. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 schmückt der Davidstern die Nationalflagge.
David war ein Hirtenjunge aus Bethlehem. Er tötete Goliath, wurde Israles zweiter und bedeutendster König (um 1010 – 970 v. Chr.). Ihm wurde zugesagt, dass einer seiner Nachkommen der Messias sein werde, auf den jüdische Menschen bis heute warten.

Auf den folgenden Gräbern zu finden: Betty Hauser, Emanuel Hauser, Johanna Hirsch

Träneneiche
Träneneiche geht auf Gen 35,8 zurück, wo Jakob der Eiche, unter der er die Amme Rebekkas begraben hatte, diesen Namen gibt. Gen 35,8: „Debora, die Amme Rebekkas, starb. Man begrub sie unterhalb von Bet-El unter der Eiche. Er gab ihr den Namen Träneneiche.“

Auf den folgenden Gräbern zu finden: David Hauser, Rosalia Grünwald

Levitenkrug
Krug und Becken sind das Symbol dafür, dass der Tote einer Levitenfamilie entstammte, also ein Nachfahre des Stammes Levi (Sohn von Jakob) war. Leviten bekamen bei der Verteilung des Landes Erez Israel kein eigenes Stammesgebiet zugewiesen, sondern wurden für den Tempeldienst ausersehen und als Gegenleistung von den anderen Stämmen versorgt. Mit Wasser aus der Levitenkanne führten sie die rituelle Reinigiung der Kohanim beim Tempelkult vor.

Auf den folgenden Gräbern zu finden: Josef Scheuer, Ludwig Blüh

Kohanimhände
Kohen sind die Angehörigen eines Priestergeschlechtes, und gelten als Nachfahren von Aaron, der ein Bruder von Moses war. Die wichtigste Aufgabe eines Priesters in der Zeit des Tempels war die Darbringung des Opfers.

Auf den folgenden Gräbern zu finden: Moses Funk, Alois Kohn aus Wien, Leopold Plaschkes, Alfred Rischawy

Blume
Die Blume gilt hier als Symbol für den Lebensweg der Verstorbenen, für Menschen, die früh verstorben sind.

Auf den folgenden Gräbern zu finden:

Ludwig Wallisch, Geb. am 11. Juli 1981 gestorben in der Blüte seines Lebens am 7. Juni 1923. Tief betrauert von Eltern und Geschwistern
Erwin Kohn, geb. am 15. November 1902, am 9. März 1907. Tief betrauert von seinen Eltern.

Weintraube
Die Weintraube wurde als Symbol für die Familie Weinmann verwendet, sodass das Symbol einen Zusammenhang zum Namen darstellt. Außerdem ist die Weintraube ein Symbol des Volkes Israel und erinnert an die Weintraube, die von Kundschaftern aus dem Gelobten Land mitgebracht wurden.

Auf den folgenden Gräbern zu finden: Elkan Weinmann, Kathi Weinmann

Ausstattungen

  • Führungen

Standort & Anreise

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