Pulkautal Biennale
House of Hadres
Mit House of Hadres treten Hanakam & Schuller in eine installative Korrespondenz mit dem Lesehaus in Hadres/Untermarkersdorf. Als Sammlung und Archiv von Kunstpublikationen aus mehreren Jahrzehnten ist das Lesehaus ein Speicher intergenerationalen Wissens, ein Ort, an dem kulturelle Erinnerung bewahrt, weitergegeben und fortgeschrieben wird. Die Interventionen des Kunstduos greifen diese Funktion auf und verstehen sich als ein Ausheben und Sichtbarmachen kollektiver Gedächtnisschichten – sowohl am konkreten Ort im Weinviertel als auch im größeren Zusammenhang europäischer Kultur- und Ideengeschichte.
Bereits im Außenraum setzen Hanakam & Schuller ein performatives Emblem. Eine eigens für den Ort entwickelte HERALDIK erscheint als weithin sichtbare Flagge am Lesehaus. Als protosoziales Medium verweist das Wappen auf Formen kollektiver Identitätsbildung und generationsübergreifender Zugehörigkeit. Die Symbole von Bienenstock, Traube und Lyra verdichten zentrale Bezugspunkte des Projekts: regionale Kulturgeschichte, gemeinschaftliche Wissensproduktion, Landwirtschaft und Narration. Zugleich markieren sie die thematischen Felder, die sich im House of Hadres entfalten.
Im Leseraum selbst wird die Atmosphäre durch Licht und Klang transformiert. In magentafarbenes Licht getaucht, begegnen Besucher*innen der Stimme eines queeren BARDEN, der mittels künstlicher Intelligenz neu generierte Verse der Ossian-Gedichte vorträgt. Bereits im 18. Jahrhundert waren die von James Macpherson veröffentlichten Ossian-Texte von Fragen nach Autorschaft und der Authentizität kultureller Überlieferung begleitet; heute werden sie zum Ausgangspunkt einer technologisch generierten Behauptung von Poesie. Die romantische Naturmystik der Originaltexte wandelt sich zu einer solastalgischen Klage über ökologische Verluste, Landschaftswandel und das Verschwinden vertrauter Umwelten.
In den Kellergewölben zeigen Hanakam & Schuller ihren aktuellen Zweikanalfilm ESCURSIONI
Ausflugsziele, Hotels, Touren und mehr